INTERVIEW - "ZUKUNFT VERERBEN"

VÖ-Termin 10/02


Interview mit Beate Eichenberg

Beate Eichenberg ist bei der Berliner Krebsgesellschaft e.V. zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und hat sich bereit erklärt, uns einige Fragen zum Projekt "zukunft-vererben.de" zu beantworten.

Frage: Welche Ziele verfolgen Sie mit
dem Projekt?

Mit der Arbeitsgemeinschaft "Zukunft Vererben" wollen wir das Thema Erbschaftsspenden in eine breitere Öffentlichkeit bringen und vermitteln: Erbschaftsspenden für gemeinnützige Projekte ermöglichen es dem Geber, über den eigenen Tod hinaus, Gesellschaft und damit Zukunft mitzugestalten. Das ist die zentrale Botschaft von zukunft-vererben.de.

Daneben bietet die Website umfassende und zunächst nicht auf die Projekte einer bestimmten NPO ausgerichtete Informationen rund ums Thema Legate und Legatsspenden.

Und selbstverständlich sollen potenzielle Spender und Erblasser über die Website die Arbeit der Gründer-NPOs Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, Berliner Krebsgesellschaft, Evangelisches Johannesstift, Stiftung Lebenshilfe Berlin und Überleben - Stiftung für Folteropfer kennen lernen.

Frage: Welche Aufgabe hat die Website bei der Zielerfüllung?

Sicher wird die Idee, Erbschaftsmarketing via Internet zu machen, bei den Anhängern der guten alten Spenderpyramide, an deren Spitze der lang bekannte Legatsspender steht, Kopfschütteln auslösen. Wir denken jedoch, dass via Cyberspace Kontakte zu ganz anderen Zielgruppen entstehen, die ebenfalls gepflegt und ausgebaut werden können. Wir betrachten die Website also als ergänzendes Instrument im Erbschaftsmarketing.

Das Thema Erben und Vererben ist nicht nur für die Sixtysomethings, sondern auch für Vierzigjährige spannend. In diesem Alter wird die Zukunft allmählich endlich und das Interesse an gesellschaftlichen Themen wächst. Die Zielgruppe ist sogar in doppelter Hinsicht interessant, nicht nur als mögliche Legatsspender, sondern auch als Erben, die einen Teil des geerbten Vermögens spenden wollen. Und mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit erreicht man die Zielgruppe auch über das Internet.

Zugleich ist die Website ein niedrigschwelliges Informationsangebot. Surfer, die auf der Plattform anlanden, können sich im eigenen Tempo informieren, hier und da gucken oder hinklicken; und das soll ganz bewusst zunächst nicht organisationsgebunden passieren. Anonymität und der individuelle Umgang mit dem Medium sind ein Vorteil, gerade im Hinblick auf das sensible Thema. Das heißt, unsere Besucher bestimmen den Zeitpunkt und die Form der Kontaktaufnahme und können zwischen ganz unterschiedlichen Organisationen und Projekten auswählen.

zukunft-vererben.de ist die erste deutschsprachige Plattform zum Thema. Wir rechnen also mit einem entsprechend großen Medieninteresse. Die Auftaktpressekonferenz mit Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer hat das schon bestätigt. Als Zusatznutzen erhöhen einige der Vereine, die bislang nur regional ausgerichtete PR betreiben, ihren Bekanntheitsgrad auch bundesweit.

Abgesehen davon ist zukunft-vererben.de ein Beispiel dafür, wie NPOs sich sinnvoll vernetzen und gemeinsame Fundraising-Ziele verfolgen können. Know-how-Transfer und Kostenminimierung sind gute Effekte einer solchen Kooperation.

Frage: Wie stellen Sie Bindung her?

Auf der Website gibt es zunächst die Möglichkeit, den von den fünf NPOs benannten Ansprechpartner per Telefon oder per E-Mail zu kontaktieren. Zur Zeit ist das Dr. Friedrich Haunert von der Arbeitsstelle Fundraising der Paritätischen Akademie. Besonders wichtig ist dieses Angebot in der Service-Rubrik FAQs. Die Plattform bietet zwar keine Rechtsberatung an, der Besucher kann jedoch Fragen zum Thema stellen. Im angemessenen Rahmen antworten die FundraiserInnen selbst oder geben die Anfragen zur Beantwortung an ehrenamtlich eingebundene Fachleute, zum Beispiel Rechtsanwälte, weiter. Interessante Fragestellungen werden nebst Antwort anonymisiert veröffentlicht.

Zusatzangebote wie Telefonhotlines, Spezialthemen und laufende Aktualisierungen sollen die Website zum Top-Informationsmedium rund ums Thema Erbschaften und Vermächtnisse machen. Unsere Besucher erfahren also: Diese Seite lebt, und es lohnt sich, wiederzukommen.

Betrachtet man die Plattform als Sprungbrett zu den einzelnen NPOs, obliegt es dann jeder Organisation selbst, eine Bindung des Erstbesuchers zu erreichen. Und dies ist letztendlich sicher der Königsweg.

Frage: Wie verteilen Sie die eingehenden Erbschaften unter den beteiligten Organisationen?

Die Idee ist nicht, dass jemand direkt an die Arbeitsgemeinschaft "Zukunft Vererben" spendet, die ja nur ein loser Zusammenschluss von NPOs, aber keine körperschaftliche Organisation ist. Wer sich mit dem Gedanken trägt, sein Vermögen gemeinnützigen Zwecken zukommen zu lassen, findet bei zukunft-vererben.de eine breite Auswahl von Möglichkeiten und kann dann nach eigenen Präferenzen eine der beteiligten Organisationen direkt mit einer Legatsspende unterstützen.

 
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Frage: Gibt es Regelungen für
den Streitfall?

Aufgrund der organisatorischen Konstruktion wird der Streitfall um eine Erbschaft nicht auftreten. In allen anderen Fragen arbeiten die fünf NPOs bisher reibungslos zusammen. Das liegt zum einen an der überschaubaren Zahl der Initiatoren, zum anderen gibt es kaum inhaltliche Überschneidungen. Also auch wenig internen Profilierungsdruck. Wenn neue NPOs zu zukunft-vererben.de dazustoßen, und hier liegen schon erste Anfragen vor, sind sicher verbindliche Regelungen, zum Beispiel für Abstimmungsfragen oder Zusatzfinanzierungen, zu treffen.

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