GuideStar – Ein Modell für Deutschland?

VÖ-Termin 11/05

von Stefanie Dobbertin

Wenn man sich in den USA über eine NPO informieren will, führt kein Weg an GuideStar (www.guidestar.org) vorbei. Viele Informationen – insbesondere auch solche der finanziellen Situation – können auf GuideStar über fast alle amerikanischen NPOs recherchiert werden. GuideStar leistet damit als weltweit größtes Online-Portal für den Dritten Sektor einen wichtigen Beitrag zu Transparenz und Accountability.

Die Bedeutung von Transparenz und Accountability wurde in den USA Anfang der 90er Jahre nach einer Reihe von Skandalen deutlich. Diese haben das Vertrauen von Förderern und politisch/administrativen Akteuren in den Dritten Sektor geschwächt. Die US Regierung hat daraufhin mit einer gesetzlichen Rechenschaftspflicht für alle steuerbefreiten Organisationen reagiert. Jährlich müssen nun alle NPOs das Formular 990 ausfüllen und beim amerikanischen Finanzamt (IRS) einreichen. Das IRS prüft diese detaillierten Finanzangaben.

Diese Daten sind in den USA öffentlich. Um sie auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, speist GuideStar, diese geprüften Daten in seine Online-Datenbank. Damit stehen sie allen Interessenten weltweit zur Verfügung.

Dies ist in den Augen der Amerikaner ein wirksames Mittel, um Missbrauch von NPOs zu vermeiden. Denn die NPOs haben sich öffentlich zu verantworten und sollen deshalb auch öffentlich Rechenschaft ablegen. In diesem Zusammenhang sprechen sie von Accountability.

Generell betrachtet, beinhaltet „Accountability“ die Verantwortung sich gegenüber anderen zu erklären und Rechenschaft über seine Handlungen abzulegen. Nonprofit-Organisationen sammeln Spenden und genießen, durch den Status der Gemeinnützigkeit, das Privileg der Steuerbefreiung. Dadurch wird Transparenz und Rechenschaft gegenüber dem Staat und individuellen Förderern zum existentiellen Thema.

Grundsätzlich ergeben sich in Deutschland die gleichen Fragen nach Accountability und Transparenz. Auch deutsche NPOs können sich nur begrenzt der Verantwortung für den Umgang mit Spenden entziehen. Zumindest die jährlich im Emnid-Spendenmonitor erhobenen Daten über mangelnde Kommunikation und Transparenz und das von Karsten Timmer in der StifterStudie ermittelte tiefe Misstrauen der Stifter gegenüber den etablierten Strukturen im deutschen Dritten Sektor liefern hier handfeste Hinweise.

Was lag da näher als zu überlegen, ob und wie GuideStar auch in Deutschland eingeführt werden kann. Seit August 2005 befindet sich GuideStar Deutschland in der Pilotphase zum Aufbau eines Informationsportals für den deutschen Dritten Sektor. Lassen die deutschen Rahmenbedingungen einen ähnlichen Erfolg wie in den USA erwarten?

Im Gegensatz zu den USA gibt es in Deutschland bislang keine gesetzlichen Bestimmungen für eine Rechenschafts- und Transparenzpflicht von gemeinnützigen Organisationen. Weder die steuerliche Prüfung der Gemeinnützigkeit durch die Finanzbehörden noch andere staatliche Instrumente sind auf eine Kontrolle und die Rechenschaftspflicht der NPO ausgelegt. Hinzu kommt, dass die Steuerbescheide nicht publiziert werden und damit der Öffentlichkeit nicht zur Verfügung stehen. Wie sich die Organisationen transparent machen, bestimmen sie weitgehend selbst.

Das Problem der Datenbeschaffung für ein Online-Portal liegt hierbei auf der Hand. Nicht alle Organisationen werden auf einem Internetportal wie GuideStar freiwillig über sich berichten wollen. So scheint es schwierig, eine ausreichende Anzahl an Daten und Informationen zu gewinnen.

Auch die Masse an Daten auf einem Internetportal darf nicht mit der Qualität dieser Daten gleichgesetzt werden. Es wird immer Organisationen geben, die besonders gewissenhaft über sich berichten, andere wiederum werden nur Grundinformationen liefern. Auch die Aktualität der Daten wird unterschiedlich sein. Nur wenn die NPOs durch das Portal einen deutlichen Nutzen im Rahmen ihrer Fördererkommunikation haben, werden sie in der Mehrzahl auch bereit sein, alle notwendigen Daten aktuell und im notwendigen Umfang zur Verfügung zu stellen.

Die Selbstauskünfte der Organisationen werden seitens GuideStar nicht überprüft. Dies wird sich weder finanzieren lassen, noch liegt die Prüfung von Daten dem Geschäftsmodell von GuideStar zugrunde. Auch von staatlicher Seite werden keine geprüften Daten zur Verfügung gestellt. Deshalb darf beim Nutzer keine unrealistische Erwartung hinsichtlich der Zuverlässigkeit der auf einem Online Portal veröffentlichten Daten entstehen.

Diese Probleme zeigen, dass eine einfache Übertragung von GuideStar auf die deutschen Verhältnisse nicht so einfach ist. Die fehlende staatliche Verpflichtung zur Selbstauskunft und Rechenschaft sowie der Überprüfung und Veröffentlichung dieser Daten erscheinen als eine der größten Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Ohne qualitativ hochwertige und aktuelle Daten wird für viele Menschen ein Online-Portal nur von zweifelhaftem Nutzen sein.

Weitere Informationen zum Thema Accountability und Transparenz sowie zum GuideStar-Projekt enthält die Diplom-Arbeit von Stefanie Dobbertin, die sie im Sommer an der FHVR/FHTW in Berlin angefertigt hat. Sie können sie hier downloaden.

 

 
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Aus: Newsletter Online-Fundraising 07/05

 

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