Öko-Test kritisiert Spendenpraxis der
Umwelt- und Naturschutzverbände

VÖ-Termin 11/02


Unter der Überschrift „Zwischen Biotop und Sumpf“ kritisieren die Tester bei einigen Umwelt- und Naturschutzorganisationen die Transparenz der Mittelverwendung. So könnten einige Organisationen aufgrund fehlender Prüfungen keine Bilanzen für 2001 – der VCD noch nicht einmal für das Jahr 2000! –vorlegen. Andere wie die BUND und NABU, die förderal organisiert sein, hätten keinen zentralen Überblick, wie Spendengelder in den regionalen Gliederungen eingesetzt werden.

Des Weiteren wird von Öko-Test beklagt, dass durch kreative Buchführung und Bilanzierungstricks die wahren Kosten für Fundraising verschleiert würden. Bemängelt wurde am Beispiel von BUND und NABU, dass weniger als die Hälfte der Einnahmen dem eigentlichen Zweck, der Naturschutzarbeit, zugute kämen. Damit würde, so die Tester, die Außendarstellung der Tätigkeiten in der Gewichtung nicht mit den Ausgaben übereinstimmen.

Insgesamt wurden von 19 Umwelt- und Naturschutzorganisationen acht mit „sehr gut“ und „gut“ bewertet, fünf schnitten mit „mangelhaft“ und „ungenügend“ ab. Öko-Test weist in diesem Zusammenhang ausdrücklich darauf hin, dass sich die Bewertung nicht auf die inhaltliche Arbeit der Organisationen bezieht, sondern ausschließlich auf die Transparenz der Mittelverwendung zielt.

Den leicht gekürzten Test-Bericht finden Sie auf der Website von Öko-Test >>


Kommentar:

Transparenz in der Mittelverwendung und Ehrlichkeit gegenüber den Förderern sind wichtige Kriterien im Fundraising. Leider sind Fundraiser nicht allein verantwortlich für Organisationsstrukturen und Außendarstellung. Aber Fehler, die hier gemacht werden, wirken sich enorm auf den Erfolg im Fundraising aus. Die Tester von Öko-Test legen den Finger in die richtige Wunde: Wenn weniger als die Hälfte aller Einnahmen dem eigentlichen Zweck zugute kommt und die Verwaltungskosten mit kreativer Buchführung und Bilanzierungstricks auf unter 25 Prozent gedrückt werden, entsteht ein Gefahrenpotenzial für alle Fundraiser.

Die Probleme föderaler Organisationen, die nicht wissen, wie formal selbständige Untergliederungen ihre Mittel verwenden, kann schnell zu einem Problem für die gesamte Organisation werden. In der Öffentlichkeit wird bei den „Organisationsmarken“ selten ein Unterschied gemacht, ob Probleme beim Bundesverband, einem Landesverband oder einer örtlichen Gliederung auftreten. Es wird der gesamten Organisation zugeschrieben werden.

Lösen lassen sich diese Probleme nur durch eine zentrale Buchhaltung und Controlling sowie einem einheitlichen EDV-System. Erst dann erhalten alle Entscheidungsträger alle Informationen in einer angemessenen und vollständigen Form.

Die Tester von Öko-Test gehen mit uns Fundraisern noch fair um. Sie betonen, dass Umwelt- und Naturschutzverbände moderne Methoden der Spendengewinnung benötigen. Auch ein Spendenmailing, bei dem nur 11 Prozent dem eigentlichen Zweck zugute kommt, akzeptieren sie, wenn mittelfristig 75 Prozent der Erlöse dem Zweck zugeführt werden.

Nur wenn wir als Fundraiser an dieser Stelle nicht aufpassen, werden andere Journalisten – die Weihnachtszeit naht! – diese offenen Flanken nutzen und uns wieder als unseriös durch’s Dorf treiben.

 

 
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Aus: Newsletter Online-Fundraising 11/02

 

 

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