Fundraising – ein neuer Ansatz zur Finanzierung der Arbeit von Nonprofit-Organisationen |
VÖ-Termin 04/04 |
In unserem Verständnis beschreibt Fundraising die systematische Erschließung von Unterstützern der Mission einer Nonprofit-Organisation, die der Organisation Ressourcen für ihre Arbeit zur Verfügung stellen (vgl. Fischer/ Neumann 2003). Diese Definition von Fundraising beinhaltet, dass es sich bei Fundraising um eine systematische Tätigkeit handelt: Fundraising wird strategisch und operativ geplant und dann systematisch in die Praxis umgesetzt. Die erzielten Ergebnisse werden analysiert und geben Hinweise auf Verbesserungsmöglichkeiten, wodurch der nächste Prozess von Planung, Umsetzung und Controlling angestoßen wird. Nach den empirischen Studien von Michael Urselmann ist Planung einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren im Fundraising (vgl. Urselmann 1997). Fundraising wird dann für kleinere und mittlere Organisationen erfolgreich sein, wenn Förderer für die Mission der Organisation gewonnen werden. „Mission“ bedeutet der normative, emotional aufgeladene Kern einer Nonprofit-Organisation. In der Mission wird festgelegt, warum – nicht wie – eine Organisation tätig wird. Hier wird formuliert, welcher Missstand durch die Arbeit der Organisation gemildert oder beseitigt werden soll. Ziel des Fundraisings ist es, Menschen zu finden, die die normativen Ziele der Organisation teilen und deshalb bereit sind, Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Dies bedeutet auch, dass Geld im Fundraising nicht im Vordergrund steht. Im Vordergrund steht die Beziehung zu Interessenten und möglichen Förderern. Erst wenn die Beziehung – auf emotionaler und rationaler Art – gefestigt ist, werden Interessenten und potenzieller Förderer auch bereit sein, ihren Beitrag zu leisten. Ressourcen im Fundraising Schaut man sich Fundraising genauer an, werden verschiedene Möglichkeiten deutlich, Fundraising zu betreiben. Diese verschiedenen Formen des Fundraisings müssen unbedingt unterschieden werden, soll die Ansprache potenzieller Förderer nicht ins Leere laufen. Am wichtigsten ist dabei die Unterscheidung zwischen Spenden und Sponsoring. Spende versus Sponsoring Im steuerlichen Sinn kommt noch verschärfend hinzu, dass eine Zuwendungsbestätigung nur dann ausgestellt werden darf, wenn die Spende auch das Vermögen des Spenders mindert. Dies ist in der Regel nur bei Geld- und Sachspenden der Fall. Für freiwillige Arbeit und insbesondere auch für Leistungen von Unternehmen darf keine Zuwendungsbestätigung ausgestellt werden. Der Umweg über eine Rechnungsstellung und der anschließenden Spende des Umsatzes ist hingegen nicht zu beanstanden. Im Gegensatz zur Spende spricht man von Sponsoring, wenn das Unternehmen, welches Ressourcen zur Verfügung stellt, eine vertraglich definierte Gegenleistungen erhält. Wichtig ist hierbei zu beachten, dass Sponsoring kein Finanzierungsinstrument für Nonprofit-Organisationen, sondern eine Werbeform für Unternehmen ist. Unternehmen setzen Sponsoring ein, um z.B. Zielgruppen zu erreichen, die sich über andere, traditionelle Werbeformen nicht erreichen lassen. Da eine dieser Zielgruppen junge Männer sind und diese sich insbesondere für Fußball und Autorennsport interessieren, ist klar, warum gerade diese Sportarten im Sponsoring so beliebt sind. Wenn man sein Fundraising konzipiert, sollte man wissen, dass der Spendenmarkt größer ist als die Sponsoring-Leistungen der Unternehmen und dass vor allen Dingen Sport und Medien vom Sponsoring profitieren. Für viele Nonprofit-Organisationen – insbesondere aus den Bereichen „Soziales“ und „Umwelt“ ist Sponsoring häufig kein geeignetes Instrument zur Finanzierung ihrer Arbeit. Sponsoring vs. Spenden von Unternehmen Sponsoring
Spenden
Fundraising-Konzeption als Voraussetzung
für Erfolg Im Rahmen einer Fundraising-Strategie ist nun zu untersuchen, welche Zielgruppe mit dem größten Erfolg angesprochen werden soll. Damit ist zunächst festzulegen, warum die angesprochenen Menschen überhaupt die Organisation unterstützen sollten. Dabei ist der Nutzen der Organisation für die Förderer – nicht für die Klienten, für die die Leistung erbracht wird – zu definieren. Ohne einen spezifischen Nutzen werden Menschen nicht bereit sein, sich zu engagieren und Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Gegenleistungen, die die Förderer für ihr Engagement erhalten, verstärken deren Reaktion. Sie sind also eher bereit, die Organisation zu unterstützen. Erfahrungen zeigen, dass Menschen Ressourcen geben, wenn
Schließlich muss der Nutzen und das Anliegen der Organisation an Interessenten und mögliche Förderer kommuniziert werden. Die Kommunikation, die zu den teuersten Aktivitäten im Fundraising zählt, folgt dabei einem Vierschritt-Modell:
Bindung von Förderern
Fundraising in Organisationen Deshalb ist es notwendig, dass die Organisation insgesamt, d.h. alle Stakeholder wie Mitarbeiter, Führungskräfte und Aufsichtsorgane, Klienten und Kunden, Feiwillige und Schirmherren Fundraising wollen und Fundraising auch aktiv unterstützen. Die aktive Unterstützung bedeutet, dass sie bereit sind, als erste Ressourcen für ihre Organisation zur Verfügung zu stellen. Dabei sollten sie Fundraising als Chance und nicht als Muss begreifen. Denn Fundraising eröffnet Möglichkeiten in der Entwicklung der jeweiligen Organisation, die so mit staatlichen Mitteln kaum möglich ist.
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